Heutzutage leiden viele Menschen an Erschöpfung und Energieverlust. Um der modernen Lebensweise gerecht zu werden, müssen wir oft mehr Energie aufwenden, als uns an natürlichen Reserven zur Verfügung steht.
Nicht immer ist es möglich, die Lebensgewohnheiten so zu ändern, dass weniger Energie verbraucht wird. Es stellt sich daher die Frage, wie wir zusätzliche Lebensenergie im Leben bereitstellen können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Um im Leben den Energielevel hoch halten zu können, müssen wir lernen, mit unserer zur Verfügung stehenden Lebensenergie sorgfältig umzugehen (Work-Life-Balance).
Die Anforderungen (Energieverbrauch) und die Ressourcen (Energiequellen) im Leben sollten immer ausgeglichen sein.
Wenn längere Zeit ein Ungleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, Aktivität und Passivität sowie Arbeit und Ruhephasen zu Ungunsten der Anforderungen vorhanden ist, kann dies zu einem Burnout führen.
Wenn die Energie nicht mehr zur Regeneration ausreicht, gibt es im Yoga gute Methoden, um zusätzliche Lebensenergie bereitzustellen, damit die Ressourcen gestärkt werden können.
Die Vital- und Lebenskraft
Das Prinzip der Lebenskraft wird in den unterschiedlichen Kultursystemen mit verschiedenen Namen bezeichnet, die jeweils leicht unterschiedliche theoretische und praktische Ansätze haben.
Im Wesentlichen bezeichnen Prāṇa, Ki und Chi dasselbe Konzept: die universelle Lebensenergie oder vitale Kraft, die alles durchdringt.
Der Begriff Od beschreibt ebenfalls ein ähnliches, wenn auch weniger verbreitetes, Konzept der Lebenskraft, vor allem im deutschen Kontext.
Die Unterschiede liegen hauptsächlich im kulturellen und sprachlichen Ursprung sowie in den spezifischen Traditionen, in denen sie angewendet werden:
- Prāṇa: Stammt aus der indischen Philosophie und dem Hinduismus (Sanskrit-Begriff) und ist ein zentraler Begriff im Yoga und Ayurveda. Prāṇa wird durch Atemübungen (Prāṇāyāma) kultiviert und fliesst durch Nādīs (Energiekanäle) und Cakren (Energiezentren).
- Chi (oder Qi): Kommt aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und Philosophie. Es fliesst durch Meridiane im Körper, und seine Harmonisierung ist das Ziel von Praktiken wie Tai-Chi, Qigong und Akupunktur.
- Ki: Ist die japanische Entsprechung des chinesischen Chi und wird in ähnlichen Praktiken wie z.B. in der Kampfkunst (z.B. Aikido) verwendet.
- Od: Dieser Begriff (auch Orenda, Pneuma oder Mana) wurde im 19. Jahrhundert vom deutschen Chemiker Baron Carl von Reichenbach geprägt, um eine hypothetische, unsichtbare Lebenskraft zu beschreiben, die von bestimmten Individuen ausgestrahlt wird.
Prāṇa – die kosmische Energie
Definition von Prāṇa in Das Yoga-Lexikon von Wilfried Huchzermeyer:
„Prāna [prāṇa] m Atem, Lebensatem, Lebenskraft. Prāna bedeutet wörtlich «Hervor-Atem», Pra-Āna, wobei die Wurzel an, atmen zugrunde liegt.
Der Begriff kann auch als die physische Atemluft bezeichnen, steht jedoch in Yoga-Texten primär für die alles erfüllende kosmische Energie, die lebensspendende Essenz, die der Atem in den Körper hineinträgt und die in den Nādīs zirkuliert.
Es werden allgemein fünf verschiedene Arten von Prāna unterschieden, in der englischen Literatur meist als «vital airs» bezeichnet, im Deutschen «Lebenshauche»:
- Prāna, der Lebensatem, der die Lebenskraft steuert und sowohl Ein- und Ausatmung stützt.
- Vyāna, die «durchdringende» Energie, die alle Körperteile versorgt.
- Samāna, die ausgleichende Energie, die in der Unterleibsregion lokalisiert ist und die Verdauung steuert.
- Apāna, die «Herab»-Energie, die im unteren Teil des Körpers und die Ausscheidungen reguliert.
- Udāna, die «Herauf»-Energie, die im oberen Teil des Körpers wirkt und Sprache wie auch spirituelle Entwicklungen stützt.
…. Zusätzlich werden noch fünf Upaprānas oder sekundäre Lebenshauche, Nāga, Kūrma, Krikara, Devadatta, Dhanamjaya, welche Funktionen wie Aufstoßen, Gähnen oder Niesen steuern.“
Abbildung der fünf Luftarten aus dem Buch Yogamrita von Yogi Paramapadma Dhirananda.
Definition von Prāṇa im Glossar des Buchs Die Synthese des Yoga von Sri Aurobindo
„Prāṇa die Lebens-Energie; das Wunsch-Mental; die Vital-Seele, Lebens-Kraft; das Lebens-Prinzip; die nervlichen oder vitalen Aktivitäten. Besonders das erste der fünf prāṇas, das Atmen.
Die Vitalität (das Prinzip, dem die alten indischen Denker den Namen vāyu oder prāṇa gaben) ist der Lebens-Stoff, der substanzielle Wille und die Energie im Kosmos, die sich in die determinierte Form, Aktion und bewusste Dynamik des Wesens auswirkt.“
In den indischen Schriften wird das Wort vāyu (Luft) oft anstelle des Begriffs prāṇa verwendet.
So steht im Vāyu Purāṇa:
āyurvāyu balaṁ vāyu |
āyurdhātā śarīreṇa |
vāyuḥ sarvam idam viśvam |
vāyurhi pratyakṣa devatā ǁ
Dies bedeutet:
„Die Luft gibt langes Leben, die Luft macht stark,
die Luft erhält diesen Körper,
die Luft ist überall und umgibt uns,
Luft ist die lebendige Kraft Gottes.“
Dieser Sanskrit-Vers betont die fundamentale Bedeutung von vāyu (Wind, Luft oder die Lebensenergie prāṇa) für das Leben und das Universum. In der vedischen Philosophie ist vāyu nicht nur der physische Wind, sondern die kosmische Energie, die Bewegung und Leben überhaupt erst ermöglicht.
Sri Aurobindo schreibt in Die Synthese des Yoga, Seite 745:
„Wir können die prana-Kraft für jede Wirkung des Lebens, des Körpers oder des Mentals viel mächtiger und wirksamer verwenden als in unserem jetzigen Tun, das durch physische Formeln begrenzt ist. Der Gebrauch der prana-Kraft macht uns in dem Maße von jener Begrenzung frei, wie wir fähig sind, sie anstelle unserer an den Körper gebundenen Energie zu verwenden. Man dirigiert das prana, um einem körperlichen Zustand oder einem Handeln größere Kraft zu verleihen oder sie wiederherzustellen, um Krankheit zu heilen, Müdigkeit zu überwinden, um ungeheure Mengen mentalen Krafteinsatzes im Spiel der Willens- oder Erkenntniskräfte freizusetzen. Die Übungen von pranayama sind das bekannte mechanische Mittel, die prana-Energie freizusetzen und zu beherrschen. Es erhebt und befreit diejenigen physischen, mentalen und spirituellen Energien, die im Allgemeinen von der prana-Kraft abhängig sind, zu stärkerer Auswirkung.“
Einfluss von Prāṇa auf die verschiedenen Ebenen des menschlichen Seins
Die kosmische Energie (Prāṇa) durchflutet jeden Moment alle Teile unseres Daseins und stellt unablässig die Energie für alle Körperfunktionen, Handlungen, Emotionen, Gedanken, usw. zur Verfügung.
Das nebenstehende Bild zeigt schematisch die menschliche Existenz bestehend aus folgenden Ebenen:
- Physis
- Vital
- Mental
- Unterbewusstsein
- Seele (seelisches oder psychisches Wesen). Die Seele liegt verborgen im Innern und die meisten Menschen sind sich des seelischen Wesens nicht bewusst, da ihr Leben durch ein egozentrisches Leben bestimmt wird.
Mehr Informationen zu den Ebenen des Seins siehe Blog-Beitrag: Teile und Ebenen des Seins
Gemäss Sri Aurobindo reagiert die
physisch-vitale (oder vital-physische) Ebene
am meisten auf das Prāṇa.
Prāṇa (life-force) ist die allgemeine Lebenskraft, die den physischen Körper durchdringt und seine Funktionen aufrechterhält.
Die verschiedenen Ebenen des Vitals nutzen diese Energie, aber die physisch-vitale Ebene ist diejenige, die der materiellen Welt und dem Körper am nächsten ist und daher am unmittelbarsten auf die Ströme und Blockaden dieser Lebensenergie reagiert.
Die physisch-vitale Ebene ist verantwortlich für:
- Die nervlichen Reaktionen und Empfindungen des Körpers.
- Kleine alltägliche Wünsche, Gier und automatische Reaktionen auf äussere Dinge.
- Sie ist auch der Ort, an dem sich Krankheiten, Schmerz und Unwohlsein manifestieren können, da sie die Verbindung zwischen den feineren vitalen Energien und dem grobstofflichen Körper darstellt.
Die anderen Ebenen des Vitals (wie das höhere Vital, das emotionale Vital und das zentrale Vital) verarbeiten komplexere Emotionen, Wünsche und Ambitionen, die zwar auch von Prāṇa durchdrungen sind, aber nicht so direkt an die unmittelbaren physischen und nervösen Reaktionen gebunden sind wie die physisch-vitale Ebene.
Sri Aurobindo in Abendgespräche mit Sri Aurobindo, Seite 518:
„Dann ist da noch das Vital-Physische oder Physisch-Vitale. Es ist das Vital, das sich im physischen Wesen auswirkt. Es ist sehr wichtig für uns, denn es beherrscht die verschiedenen Organe. Es steuert die Funktionen des physischen Wesens und ist verantwortlich für die Gesundheit und die Kraft des Körpers. Das ist der Grund, warum die Upanischaden von pranas sprechen – den vitalen Atemzügen, die im physischen System zirkulieren.“
Auf dieser vital-physischen Ebene wirkt Prāṇa durch die verschiedenen Luftarten auf den Körper, Vital und Mental ein und steuert deren sämtliche Funktionen.
Paramapadma Dhirananda schreibt im Buch Yogamrita auf Seite 143 f.:
„Die Arbeit der fünf Luftarten (prāṇas) ist wie ein Netzwerk miteinander verbunden. Durch die Hilfe von udāna bringt prāṇa die Nahrung in den Körper, mit Hilfe von vyāna gelangt die Nahrung zur Verdauungsabteilung. Samāna assimiliert die verdaute Nahrung, und āpana hilft die Abfallprodukte zu beseitigen. Vyāna wiederum fördert die Durchblutung des ganzen Körpers und transportiert die Hormone, die mit dem Blut vermischt werden, im ganzen Körper. Auf diese Weise bauen die fünf Luftarten gemeinsam und in gegenseitiger Harmonie den ganzen Körper auf, entwickeln ihn und sorgen für seine Ernährung.“
Nach Sri Aurobindo sind das Vital (das vitale Wesen oder Lebenswesen) und Prāṇa (die Lebenskraft) eng miteinander verbunden, aber nicht identisch.
- Prāṇa ist die universelle Lebensenergie oder Lebenskraft (life-force), die alles durchdringt und die Grundlage jeder Existenz in der Materie bildet. Ohne Prāṇa gäbe es kein Leben. Sri Aurobindo beschreibt Prāṇa als die vitale oder nervliche Kraft, die die Funktionen von Geist und Körper trägt.
- Das Vital (vitale Wesen) ist der Teil des Wesens, der diese universelle Lebenskraft (Prāṇa) als Instrument nutzt. Es ist der Sitz der Wünsche, Impulse, Leidenschaften, Gefühle, Emotionen und dynamischen Handlungen. Das vitale Wesen ist das Instrument der Lebenskräfte im Menschen und reagiert auf Begierden.
Prāṇa ist die Energie selbst, während das vitale Wesen das System oder der Teil des Seins ist, der diese Energie verwendet und durch Wünsche, Emotionen und Handlungen zum Ausdruck bringt. Das vitale Wesen hat auch einen mentalen Anteil, das vitale Mental, das durch Wunschgedanken und den Willen zum Handeln und Geniessen lebt.
Sri Aurobindo in Synthese des Yoga, Seite 364:
„Wenn wir uns mit dem Körper befassen, müssen wir uns notwendig auch um das prana, die Lebensenergie, kümmern. Für praktische Zwecke müssen wir dabei einen Unterschied machen zwischen
- der Lebensenergie, wie sie sich im Körper auswirkt, also dem physischen prana,
- und der Lebensenergie, wie sie zur Unterstützung der mentalen Aktivitäten wirkt, also dem psychischen prana.
Wir führen stets ein doppeltes, ein mentales und ein physisches Leben. Dieselbe Lebensenergie wirkt in verschiedener Weise und nimmt einen unterschiedlichen Aspekt an, je nachdem sie sich der einen oder der anderen Seite unseres Wesens zur Verfügung stellt.
Im Körper ruft sie Reaktionen des Hungers, Durstes und der Ermüdung, der Gesundheit und Krankheit, der physischen Stärke usw. hervor, Reaktionen, die vitale Erfahrung unseres körperlichen Organismus sind. Der grobstoffliche Körper des Menschen ist nicht gleich dem Stein oder der Erde. Es ist eine Kombination von zwei „Umhüllungen“, der „vitalen Hülle“ [pranamaya kosha] und der „Nahrungshülle“ [annamaya kosha]. Sein Leben ist ein ständiges Aufeinanderwirken dieser beiden. Dennoch sind die Lebensenergie und die physische Struktur zwei verschiedene Dinge. Wenn sich das Mental aus dem es aufzehrenden Körperempfinden zurückzieht, werden wir in steigendem Maße für das prana und sein Wirken im körperlichen Instrument empfindlich. Dann können wir seine Vorgänge und Abläufe beobachten und immer besser beherrschen. Wenn wir vom Körper zurücktreten, ziehen wir uns praktisch auch von der physischen Lebensenergie zurück. Dabei unterscheiden wir diese beiden voneinander und fühlen, dass uns die letztere näher ist als das rein körperliche Instrument. Die vollständige Beherrschung des Körpers ist das Ergebnis des Sieges über die physische Lebensenergie. …“
Die Nāḍīs (Transportbahnen für Prāṇa)
Prāṇa fliesst im Körper in feinstofflichen Kanälen oder Nerven, welche in Sanskrit Nāḍīs genannt werden. Die Nāḍīs verlaufen im ganzen Körper in bis zu 72‘000 feinstofflichen Kanälen (einige Schriften sprechen sogar von deren 350‘000).
Die Nāḍīs entsprechen in etwa den Meridianen der chinesischen Medizin. Die beiden Konzepte sind zwar ähnlich, aber nicht identisch. Beide beschreiben feinstoffliche Energiebahnen im Körper, entspringen jedoch unterschiedlichen kulturellen und theoretischen Systemen mit jeweils eigenen Schwerpunkten und Verortungen.
Blockaden in den Nāḍīs können körperliche und psychische Beschwerden verursachen, da sie Organe, Gewebe und Funktionen beeinflussen. Die Übungen des Haṭha-Yoga helfen, die Nāḍīs zu reinigen, damit Prāna, die Lebenskraft, frei zirkulieren und den Körper mit Energie versorgen kann.
Definition von Nāḍī in Das Yoga-Lexikon von Wilfried Huchzermeyer:
„Nādī [nāḍī] f Kanal, Ader, Arterie; feinstofflicher Nervenkanal für das Fließen von Lebensenergien. Als Anzahl wird oft 72‘000 genannt, andere Texte nennen ein Vielfaches oder erklären 72 Nādīs für besonders wichtig. Tatsächlich aufgeführt werden in der Regel max. 14.
Von besonderer Bedeutung sind der zentrale Kanal, die Sushumnā, sowie Idā– und Pingalā-Nādī, die links und rechts neben der Sushumnā verlaufen. ….“
Die drei Haupt-Nāḍīs, Abb. aus dem Buch Yogamrita
Verlauf weiterer Nāḍīs im Körper (Bildquelle)
Die Cakren (Energie- oder Bewusstseinszentren)
In der yogischen Energielehre werden die Cakren oft als Verdichtungen, Knotenpunkte oder Kreuzungen der Nāḍīs beschrieben. Man kann sich das System wie ein Strassennetz vorstellen:
- Die Nāḍīs entsprechen den Strassen oder Kanälen, durch die die Lebensenergie (Prāṇa) fliesst.
- Die Cakren sind die grossen Verkehrsknotenpunkte, an denen viele dieser Energiebahnen aufeinandertreffen und sich bündeln.
Die sieben Cakren befinden sich dort, wo die drei wichtigsten Nāḍīs (Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā) entlang der Wirbelsäule aufeinandertreffen und sich berühren. Von diesen Knotenpunkten aus strahlen tausende weitere, feinere Nāḍīs in den restlichen Körper aus, ähnlich wie die Speichen eines Rades von der Nabe ausgehen.
Während die Nāḍīs für den Transport der Energie zuständig sind, fungieren die Cakren als Transformatoren, die die Energie verarbeiten und auf verschiedene physische und psychische Ebenen verteilen.
Detaillierte Informationen über die Cakren finden Sie in meinem Blog-Beitrag: Öffnung der Cakren von oben nach unten
| sahasrāra, sahasradala | Tausendblättriger Lotos (Fontanelle) | Höheres Mental, erleuchtetes Mental. Öffnet hin zum intuitiven Mental und dem Übermental (overmind), die über dem Kopf liegen. |
| ājñā | Stirn-Zentrum (verlängertes Mark) | Dynamisches Mental, Wille, Vision; Inneres, wahres Mental (manomaya puruṣa) |
| viśuddha | Hals-Zentrum (Nackenzentrum) | Das sich ausdrückende und gestaltende Mental (das physische Mental) |
| anāhata, hṛdpadma | Herz-Zentrum | Emotionales Wesen; das Seelische oder Psychische Wesen (Seele) befindet sich dahinter |
| maṇipūra | Nabel-Zentrum | Grösseres (zentrales) Vital, Wünsche, Leidenschaften Inneres, wahres Vital (prāṇamaya puruṣa) |
| svādhiṣṭhāna | Unteres Nabelzentrum (Kreuzbeinzentrum) | Niederes Vital, sinnliches Vitalzentrum – regiert kleine vitale Bewegungen, Gier, Lust, kleine Wünsche und Sinneseindrücke |
| mūlādhāra | Basis Zentrum (Steissbein Zentrum) | Regiert das Physische bis hinab zum Unterbewussten; Innere, wahre Physis (annamaya puruṣa) |
Tabelle mit den Namen und Wirkungsweisen der Cakren
Verbesserung der Vitalkraft durch Yoga
Yoga besteht nicht nur aus einer Abfolge von Übungen, sondern ist vor allem eine Lebensphilosophie. Das Leben in moderner Zeit muss gelernt sein und die Anweisungen der Yoga-Philosophie können uns dabei helfen.
In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu wissen, aus welchen Gründen die Lebenskraft verloren geht. Durch folgende Lebensweisen wird viel Prāṇa verbraucht:
- Zuviel sprechen
- Zuviel arbeiten
- Zuviel oder zu wenig essen
- Zuviel oder zu wenig Schlaf
- Kein Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung
- Krankheiten
Yogaübungen alleine können die Vitalkraft nicht verbessern, wenn nicht auch die Lebensweise entsprechend geändert wird. Man muss auch die Veränderung von hinderlichen Lebensgewohnheiten in Erwägung ziehen, siehe dazu auch mein Blog-Beitrag: Umgang mit Gewohnheiten
Sri Aurobindo in ‚Synthese des Yoga‘, Seite 728:
„Das universale prana erhält, fördert und treibt (wie die Weisen der alten Zeit wussten) in verschiedenen Formen die materielle Energie in allen physischen Dingen vom Elektron, Atom und Gas über Metall, Pflanze und Tier bis hinauf zum physischen Menschen. Alle, die nach höherer Vollkommenheit des Körpers oder im Körper ringen, wünschen, dass die prana-shakti [Lebenskraft] freier und kraftvoller im Körper wirken möge (ob sie diese kennen oder nicht).
Der gewöhnliche Mensch versucht, diese Energie durch Leibesübungen und andere körperliche Mittel unter seine Kontrolle zu bringen.
Der Hatha-Yogin tut das auf einer höheren Ebene und flexibler, aber doch immer noch mechanisch durch asana und pranayama. …“
Elemente des klassischen Haṭha-Yoga
Die Übungspraxis des klassischen Haṭha-Yoga besteht aus folgenden Elementen:
- Āsanas (körperliche Übungen)
- Kāraṇas (Atem geführte Bewegungsabläufe)
- Mudrās (Gesten – Übungen mit einer besonderen Atmung)
- Prāṇāyāma (Erhaltung der Lebenskraft, z.B. durch Atemübungen)
Die Hauptelemente des Haṭha-Yoga bestehen aus Āsana und Prāṇāyāma.
Die Kāraṇas und Mudrās können auch Prāṇāyāma zugeordnet werden.
Detaillierte Informationen siehe auch Die Elemente des klassischen Hatha-Yoga.
Sri Aurobindo schreibt in Synthese des Yoga, Seite 44:
„Das Ziel des Hatha-Yoga ist die volle Beherrschung des Lebens und des Körpers, also dessen Kombination der „Nahrungs-Hülle“ mit dem „vitalen Träger (Gefäß)“, die, wie wir gesehen haben, den grobstofflichen Leib ausmacht; ihr Gleichgewicht ist die Grundlage für alle Wirkensweisen der Natur im menschlichen Wesen. ….
Seite 535:
„Die beiden Hauptmittel seiner physischen Disziplin, … sind
- asana, Übungen, die den Körper an gewisse Haltungen der Unbeweglichkeit gewöhnen,
- und pranayama, Atemübungen, durch die die vitalen Energieströme im Körper gelenkt und zurückgehalten werden.
Das physische Wesen ist unser Instrument. Es besteht aus zwei Elementen, dem körperlichen und dem vitalen, also aus dem Körper, … und der Lebensenergie, prana, die die Macht des physischen Wesens und das wirkliche Instrument ist. …“
Āsanas
Die Āsana-Praxis ist ein Hauptbestandteil von Haṭha-Yoga.
Das Sanskrit-Wort āsana ist von der Verbalwurzel ās «sitzen» abgeleitet.
Eigentlich war früher mit āsana die richtige Sitzhaltung gemeint.
Man bezeichnet diese als Dhyānāsanas (meditative Stellungen).
Beispiele von Dhyānāsanas siehe unten stehende Bilder.
Des weiteren gibt es die Svasthyāsanas (gesundheitsfördernde Stellungen).
Svasthya bedeutet «Gesundheit, Wohlbefinden».
Beispiele von Svasthyāsanas siehe unten stehende Bilder.
Sri Aurobindo in ‚Synthese des Yoga‘, Seiten 536:
„…. Dem System des asana im Hatha-Yoga liegen zwei tiefe Gedanken zugrunde, die vielfach wirksam sind.
- Der erste besteht darin, dass man durch physische Unbeweglichkeit Selbstbeherrschung ausübt,
- der zweite darin, dass man durch Bewegungslosigkeit Macht gewinnt.
Im Hatha-Yoga ist die Macht der physischen Unbeweglichkeit ebenso wichtig wie die Macht der mentalen Unbeweglichkeit im Yoga des Wissens. Die Gründe dafür entsprechen einander. Einem Mental, das mit den tieferen Wahrheiten unseres Wesens und unserer Natur nicht vertraut ist, könnte es scheinen, als suche man mit beidem nur die teilnahmslose Passivität der Trägheit.
Das Gegenteil ist richtig.
Die Passivität im Yoga ist, ob sie im Mental oder im Körper geübt wird, der Zustand, in dem man die Energie am stärksten vermehrt, festhält und in sich sammelt.“
Die Āsanas geben Stärke, Lebenskraft, Vitalität und Energie. Durch die Āsanas wird vermehrt Energie in den Körperzellen gespeichert. Bei den meisten Aktivitäten verbrauchen wir einen grossen Teil unserer physischen und psychischen Energie. Bei den Āsanas dagegen müssen wir weniger Energie aufwenden, führen aber unserem Körper viel Energie zu.
Unser Blutkreislauf wird durch die verschiedenen Yoga-Stellungen (Āsanas) sanft angeregt. Dies bewirkt, dass der über die Lungenbläschen (Alveolen) ins Blut gelangte Sauerstoff (O2), mit Hilfe der roten Blutkörperchen, vermehrt zu den verschiedenen Körperzellen transportiert wird. Dank der Entspannungsphasen nach den Übungen hat der Sauerstoff jeweils genügend Zeit, in die Zellen einzudringen. In den Zellen nehmen dann die Mitochondrien (Zellkraftwerke) den Sauerstoff zusammen mit Glukose auf und lassen daraus Adenosintriphosphat (ATP) entstehen. ATP ist ein chemisches Molekül, das in jeder Zelle eines Lebewesens Energie bereitstellt. Diese Energie ist für sämtliche Körperbewegungen und für den Stofftransport notwendig.
Entspannungsphasen während einer Yogalektion sind sehr wichtig, damit die Wirkungen der Übungen sich richtig entfalten können und der Sauerstoff optimal in den Zellen aufgenommen werden kann (siehe oben). Śavāsana (Totenstellung) sollte in folgenden Teilen einer Lektion enthalten sein:
- Anfangsentspannung
- Entspannung nach jeder Übung
- Entspannung nach jeder Runde innerhalb einer Übung
- Schlussentspannung
Zudem ist es wichtig, die verschiedenen Stellungen (Āsanas) eine Zeitlang zu halten. Dadurch wird der Blutkreislauf in bestimmten Körperteilen jeweils leicht blockiert. In der nachfolgenden Entspannung in Śavāsana (Totenstellung) kann dann das Blut in den besagten Stellen mit erhöhter Geschwindigkeit hindurchfliessen. Dies hat eine entschlackende Wirkung, da die Schmutz- und Schlackenstoffe dadurch mit sich gerissen und später ausgeschieden werden können. Zudem kann mehr Energie gespeichert werden.
Bei den meisten modernen Yoga-Arten werden die Übungen fliessend (Flow-Stil) ausgeführt, ohne dabei länger in der Stellung zu bleiben. Dadurch kann die oben beschriebene nachhaltige Wirkung nicht erzielt werden.
Im klassischen Haṭha-Yoga gehören zwar Sūrya Namaskāra (der Sonnengruss) und Atem geführte Bewegungsabläufe (Kāraṇas) als fliessende Übungen dazu, doch werden diese Übungen mit einer begrenzten Anzahl Runden praktiziert und danach jeweils entspannt.
Auch der bewusste Einbezug des Atems beim Praktizieren der Āsanas ist sehr wichtig. Alle Yogaübungen sollten durch eine klare Ansage der Atemführung angeleitet werden. Bewusstes Atmen in jedem Moment erweitert unser Bewusstsein, hat eine harmonisierende und beruhigende Wirkung auf das Vital (Emotionen, Nerven) sowie das Mental (Gedanken) und geben unserem Körper mehr Energie.
Prāṇāyāma
Wortbedeutung von Prāṇāyāma:
- Prāṇa bedeutet «Lebensenergie, kosmische Energie»
- Ayāma bedeutet «zurückhalten, speichern»
Prāṇāyāma bedeutet die Kontrolle über Prāṇa (die Lebensenergie).
Im dritten Kapitel der Kaushitaki-Upanishad (Kauṣītaki Upaniṣad), steht geschrieben:
„āyuḥ prāṇaḥ, prāṇo vā āyuḥ“ (3,2)
Dies bedeutet: „Das Leben ist der Atem (Prāṇa), der Atem (Prāṇa) wahrlich ist das Leben.“
Prāṇāyāma reguliert, bewahrt und verfeinert die Lebenskraft. Prāṇa wird nicht nur als physischer Atem verstanden, sondern als die universelle Lebensenergie. Wir benötigen die Luft, die uns umgibt zum Atmen. In dieser Atemluft ist auch Sauerstoff enthalten. Wir Menschen benötigen diesen Sauerstoff zum Leben. Jede körperliche Zelle muss mit Sauerstoff versorgt werden, damit die körperlichen Funktionen ermöglicht werden. Für alle geistigen Fähigkeiten benötigen wir Sauerstoff.
Atem- und Prāṇāyāma-Übungen sind ein Teil von Prāṇāyāma und gehören als fester Bestandteil zur Praxis des Haṭha-Yoga.
Beispiele von Atem- und Prāṇāyāma-Übungen siehe unten stehende Bilder.
Sri Aurobindo in ‚Synthese des Yoga‘, Seiten 538/539:
„Wenn der Körper so von sich befreit und von vielen seiner Störungen und Unregelmäßigkeiten geläutert ist, wird er, zum Teil durch asana, vollständig jedoch erst durch das kombinierte asana und pranayama, zu einem vollkommenen Instrument.
Er wird von Anfälligkeit für Ermüdung frei. Er gewinnt eine außerordentliche Gesundheit. Seine Tendenzen zu Verfall, Altern und Sterben werden aufgehalten. ….
Asana geht unmittelbarer mit dem materiellen Teil des gesamten physischen Wesens um, obwohl es hierzu auch die Unterstützung des anderen benötigt.
Pranayama dagegen, das sich auf die physische Bewegungslosigkeit und darauf stützt, dass das Selbst alle Funktionen konzentriert (was durch asana gewonnen wird), befasst sich unmittelbar mit den subtileren Seiten des Vitals, also mit dem Nervensystem. Das wird durch verschiedenartige Regulierungen des Atmens bewirkt, die von einem Ausgleich zwischen Einatmen und Ausatmen ausgehen und bis zu den unterschiedlichsten rhythmischen Regulierungen beider mit einem Intervall führen, bei dem man den Atem in sich festhält.“
Ausgesuchte Übungen zur Stärkung der Lebens- und Vitalkraft
Nebst einer bewussten und achtsamen Lebensführung gibt es gezielte Übungen, welche die Vitalkraft stärken.
Es werden hier nur einige ausgesuchte Übungen wiedergegeben, welche im Buch Yogamrita detailliert nachgelesen werden können.
Generell wäre es sinnvoll, wöchentlich eine Yogalektion bei einem professionellen Yogalehrer, einer professionellen Yogalehrerin zu besuchen, um die verschiedenen Übungen richtig zu erlernen.
Die natürliche Atmung oder Hals- / Kehlkopfatmung
Wenn wir lernen, die natürliche Atmung bewusst anzuwenden, welche jeweils im Schlaf automatisch erfolgt, können viele positive Wirkungen im Körper, Vital und Mental erzielt werden.
Yogi Paramapadma Dhirananda nannte diese natürliche Atmung ‚Hals- oder Kehlkopfatmung‘.
Er beschreibt die Hals- oder Kehlkopfatmung in Yogamrita, Seite 152 wie folgt:
„Bei der Kehlkopfatmung konzentrieren Sie sich auf den Kehlkopf und spüren, wie Sie von dort ein- und ausatmen, die Luft gelangt aber trotzdem durch die Nase. Auf diese Weise können Sie mehr Sauerstoff aufnehmen und mehr Kohlendioxyd abgeben. Die Ausatmung ist immer länger als die Einatmung.“
Bei der oberflächlichen Atmung, Yogi Paramapadma Dhirananda nannte diese ‚Nasalatmung‘, hat man den Eindruck, dass die Kraft der Sogwirkung für das Ein- und Ausatmen in der Nase erfolgt. Dadurch gelangt die Atemluft nur in den oberen Teil der Lunge.
Bei der natürlichen Atmung oder Hals-/Kehlkopfatmung verlagert man die Kraft der Sogwirkung in den Hals bzw. Kehlkopf, so dass man das Gefühl hat, von dort ein- und auszuatmen. Dadurch ist es möglich, tiefer und länger ein- und auszuatmen und die Atemfrequenz zu senken. Dies hat zur Folge, dass die Anzahl der Atemzüge von 16–18-mal auf ca. 8–10-mal pro Minute gesenkt werden kann.
Jeder Atemzug benötigt Energie. Durch die reduzierte Atemfrequenz kann man sehr viel Energie sparen. Zudem hat diese Art der Atmung eine beruhigende Wirkung. Bei Stress oder Aufregung ist man meistens geneigt, oberflächlich und schneller zu atmen.
Yogi Paramapadma Dhirananda schreibt in Yogamrita, Seite 150:
„Prāṇāyāma-Übungen erhöhen sogar die Lebensdauer. Je langsamer man atmet, desto mehr kann man die Lebensenergie speichern und dadurch die Lebensspanne verlängern. Umgekehrt verliert man mehr Lebensenergie oder prāṇa, und das Leben verkürzt sich, wenn man häufiger bzw. schneller atmet. ….“
Diese natürliche Atmung oder Hals-/Kehlkopfatmung sollte man nicht nur während den Yoga-Übungen anwenden, sondern ihr einen festen Bestandteil im Leben geben. Die oberflächliche Atmung (Nasalatmung) sollte bewusst durch die natürliche Atmung ersetzt werden.
Der Sonnengruss (Sūrya Namaskāra)
Der Sonnengruss (Sūrya Namaskāra) ist eine traditionelle Yoga-Übungsabfolge mit 12 Positionen, welche fliessend geübt werden.
Diese Übung ist im Blog-Beitrag Sonnengruss – Surya Namaskara detailliert beschrieben.
Bhujaṁgāsana (Kobrastellung)
„Erklärung der Technik:
Legen Sie sich auf den Bauch, halten Sie die Beine geschlossen und berühren Sie mit der Stirn den Boden. Stützen Sie sich mit den Händen etwa in Schulterhöhe leicht auf dem Boden auf. Die Fingerspitzen sollten nach vorne zeigen und Arme und Hände parallel zum Oberkörper sein.
Bevor Sie, wie nachstehend beschrieben in die Stellung gehen, drücken Sie den Becken- sowie Unterleibsbereich gegen den Boden, um die Kreuz- und Lendengegend zu schützen. Heben Sie den Oberkörper in der ersten Runde ohne die Kraft der Arme zu benützen, nur mit der Rückenmuskulatur, langsam vom Boden. Atmen Sie dabei gleichzeitig ein und legen Sie den Kopf in den Nacken. Atmen Sie normal und bleiben Sie ca. 20 – 30 Sekunden in dieser Stellung. Atmen Sie aus und kehren Sie gleichzeitig langsam in die Ausgangsstellung zurück. Entspannen Sie sich danach in Śavāsana in Bauchlage.
In der zweiten Runde beugen Sie den Oberkörper etwas weiter zurück, in dem Sie diesen mit Hilfe der Arme (50%) und der Rückenmuskulatur (50%) hochheben. Der Nabel sollte aber am Boden bleiben. Atmen Sie normal und bleiben Sie ca. 20 – 30 Sekunden in dieser Stellung. Atmen Sie dann aus und kehren Sie gleichzeitig langsam in die Ausgangsstellung zurück. Entspannen Sie sich danach in Śavāsana in Bauchlage.
In der dritten Runde nehmen Sie die Beine etwas voneinander und beugen Sie den Oberkörper von der Taille an so weit wie möglich nach oben und hinten, in dem Sie nun die volle Stützkraft der Arme verwenden. Der Unterleib, die Beine und Zehen bleiben dabei am Boden liegen (s. Abb. oben). Bleiben Sie so lange wie dies angenehm ist in der Stellung und gehen Sie mit dem Ausatmen langsam Wirbel für Wirbel in die Ausgangsstellung zurück. Entspannen Sie sich danach in Śavāsana in Bauchlage. …
Konzentration:
Konzentrieren Sie sich während der ersten Runde auf das Kreuz, während der zweiten Runde auf Gallenblase, Leber, Magen und Milz; während der dritten Runde auf das Herz und den Brustbereich. Vergegenwärtigen Sie sich in der nachfolgenden Entspannung die unten genannten Wirkungen dieser Übung.
Wirkung:
Alle Arten von Rückenschmerzen können durch dieses āsana geheilt werden, denn es stärkt alle Muskeln des Rückens. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule wird verbessert. Es gibt guten Appetit, verbessert die Verdauung, heilt Verstopfung, hält Leber, Milz, Nieren und Nebennieren gesund und erhöht die Durchblutung der Gebärmutter und der Eierstöcke. Viele Frauenkrankheiten können mit diesem āsana geheilt werden. Wer an hohem Blutdruck leidet, kann bei regelmäßiger Übung dieses āsanas sehr gute Erfolge erzielen. Dies ist außerdem eine gute Übung bei Angina pectoris*. Diese Krankheit kann durch regelmäßiges Praktizieren von Bhujaṁgāsana verhindert werden.
Wortbedeutung:
Bhujaṁga bedeutet ›Schlange‹. Da diese Stellung einer sich aufbäumenden Kobra mit gespreiztem Hals gleicht, wird sie Bhujaṁgāsana oder Kobrastellung genannt. Eine weitere Bezeichnung für dieses āsana ist Sarpāsana. Sarpa bedeutet ebenfalls ›Schlange‹.“
* Angina pectoris ist eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße.
Prāṇāyāma im Gehen
Eine detaillierte Beschreibung dieser Übung kann im Blog-Beitrag Pranayama im Gehen nachgelesen werden.
Sūryabheda Prāṇāyāma
Stellvertretend für andere gute Atem- und Prāṇāyāma-Übungen möchte ich hier Sūryabheda Prāṇāyāma behandeln.
Auszug aus dem Buch ‚Yogamrita‘ von Yogi Paramapadma Dhirananda auf Seite 158:
„Erklärung der Technik:
Sitzen Sie in einer meditativen Stellung, schließen Sie die Augen und halten Sie die Wirbelsäule gerade. Schließen Sie jetzt das linke Nasenloch mit dem Ringfinger der rechten Hand und atmen Sie dann langsam, solange es ohne Anstrengung möglich ist, durch das rechte Nasenloch ein. Dann schließen Sie das rechte Nasenloch mit dem Daumen der rechten Hand. Pressen Sie das Kinn auf die Brust und halten Sie den Atem so lange an, wie es Ihnen auf rund Ihrer Kapazität möglich ist. Dann richten Sie den Kopf wieder auf und atmen Sie langsam durch das linke Nasenloch oder durch beide Nasenlöcher aus. Beim Atmen sollte kein Geräusch entstehen. Wenn Sie es als unangenehm empfinden, beide Nasenlöcher geschlossen zu halten, dann können Sie auch das linke Nasenloch leicht öffnen, bevor Sie den Atem anhalten. Bei dieser Atemübung atmen Sie immer durch das rechte Nasenloch ein. Am Anfang sollten Sie die Übung nur zehnmal praktizieren. Allmählich können Sie die Anzahl der Runden auf 15 bis 20 und auch die Dauer des Atemanhaltens erhöhen.
Vorsicht:
Wenn Sie an hohem Blutdruck oder Herzbeschwerden leiden oder schwache Lungen besitzen, sollten Sie den Atem nicht lange anhalten. Die Übung ist aber trotzdem hilfreich bei hohem Blutdruck. Wenn Sie mit dieser prāṇāyāma-Übung beginnen, sollten Sie beim Anhalten des Atems sehr vorsichtig sein. Auf keinen Fall sollten Sie Druck in den Lungen oder im Herzen spüren. Auch sollten Sie die Gesichtsmuskeln nicht verkrampfen.
Wirkung:
Sūryabheda aktiviert piṅgalā nāḍī, den Sonnennerv und verstärkt die Hitze im Körper. Dieses prāṇāyāma ist gut für die Augen, heilt Schnupfen, Rheuma sowie verschiedene Nervenkrankheiten und reinigt das Blut. Es beseitigt Blähungen und Würmer im Darm. Außerdem stärkt Sūryabheda das Nervensystem. Es erhöht die Geisteskraft ….
Wortbedeutung:
Sūrya bedeutet ›Sonne‹, und bheda bedeutet ›geöffnet‹. Durch das Üben von Sūryabheda kann piṅgalā (der Sonnennerv) aktiviert werden.“
Energie-Aufladeübung
- Den entsprechenden Körperteil (siehe unten 1 – 22) zuerst von innen für ca. 10 Sekunden wahrnehmen.
- Einatmen, Atem anhalten und den entsprechenden Körperteil für ca. 3 Sekunden anspannen, einziehen, hochziehen oder ausdehnen (siehe unten 1 – 22).
- Ausatmen und die Muskulatur des entsprechenden Körperteils wieder vollständig entspannen.
Körperteile / -> Aktionen:
- linker Fuss -> anspannen
- rechter Fuss -> anspannen
- linke Wade -> anspannen
- rechte Wade -> anspannen
- linker Oberschenkel -> anspannen
- rechter Oberschenkel -> anspannen
- linke Gesässhälfte -> anspannen
- rechte Gesässhälfte -> anspannen
- Unterleib (Bereich unterhalb Nabel) -> einziehen
- Oberer Bauchbereich (Bereich oberhalb Nabel) -> einziehen
- linker Brustbereich -> ausdehnen
- rechter Brustbereich -> ausdehnen
- linker Unterarm -> linke Faust machen und Unterarm anspannen
- rechter Unterarm -> rechte Faust machen und Unterarm anspannen
- linker Oberarm -> linker Ellbogen beugen
- rechter Oberarm -> rechter Ellbogen beugen
- linke Schulter -> linke Schulter hochziehen
- rechte Schulter -> rechte Schulter hochziehen
- linker Halsbereich -> anspannen
- rechter Halsbereich -> anspannen
- vorderer Halsbereich -> anspannen
- hinterer Halsbereich (Nacken) -> anspannen
Nachdem die 22 Körperteile einzeln angespannt und wieder entspannt wurden, werden nun alle Teile gleichzeitig wie folgt angespannt:
- Einatmen, Atem anhalten und alle 22 Teile anspannen und für ca. 4-5 Sekunden halten. Dann Ausatmen und alle 22 Körperteile wieder entspannen. 2-3x tief durchatmen und loslassen.
- Nochmals alle 22 Körperteile wie oben beschrieben anspannen und wieder entspannen.
Nach dieser Übung:
Für etwa 2-3 Minuten still liegen bleiben im Gewahrsein: „Ich bin eine Qualle, ohne Knochen, ohne Fleisch.“
Dies ist ein Auszug aus dem Yoga Themen-Nachmittag Stärkung der Vitalkraft.
Ich danke Wilfried Huchzermeyer für die Durchsicht des Textes und für seine Korrekturvorschläge.
