„Die Gewohnheit ist die zweite Natur“, sagt ein Sprichwort. Tatsächlich neigen wir im Leben immer wieder dazu, gewohnheitsmässig zu agieren oder zu reagieren. Jede Gewohnheit führt mit der Zeit zu einer Fixierung, zu einem Festhalten und zu einer ,Versteinerung‘. Ein weiteres Sprichwort sagt: „Leben heisst sich verändern“. Eine Veränderung drängt sich meistens von selbst auf. Wer dabei stur an einer Lebensgewohnheit festhält und den Veränderungsschritt nicht mitmacht, wird deswegen früher oder später leiden müssen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Gewohnheiten sind Automatismen, welche uns im Alltag helfen können. Vor allem aber steuern sie unser Verhalten und beeinflussen unser Denken und unsere Emotionen sowie den Umgang mit anderen und mit uns selbst.
Wenn wir an Gewohnheiten denken, kommt uns vermutlich in den Sinn, dass wir uns jeweils zu Jahresende Vorsätze fassen, mit denen wir diese oder jene Gewohnheit ändern möchten. Sicher haben wir auch schon die Erfahrung gemacht, dass dies nicht so leicht umzusetzen ist, wie wir zuvor gedacht haben. Willenskraft alleine reicht oft nicht aus, eine Gewohnheit zu ändern. Gewohnheiten üben eine gewisse Macht auf uns aus, welche man zuerst verstehen muss.
Flexibilität, Annehmen und Bereitschaft zur Veränderung sind wichtige Tugenden auf dem Lebensweg. Alles was starr ist, verhindert ein Fortschreiten. Das Leben selbst birgt ständig die Möglichkeit, sich zu verändern. Doch diese Veränderung funktioniert nur dann, wenn wir diese annehmen können.
Festgesetzte Gewohnheiten können bei sich verändernden Lebenssituationen hinderlich sein und müssen zuerst abgebaut oder umgewandelt werden.
Das Wahren des Anfängergeistes (beginner‘s mind) ist eine der besten Voraussetzungen, auf Veränderungen im Leben zu reagieren und hindernde Gewohnheiten abzubauen.
Um wirklich zu verstehen, wie Gewohnheiten entstehen und wie man damit umgeht, müssen wir psychologische Erklärungen hinzuziehen. Die gegenwärtigen Erkenntnisse der westlichen Psychologie reichen aber nicht aus, den ganzen Seinsbereich aus yogischer Sicht mit einzubeziehen.
Ich beziehe mich deshalb auf die yogische Psychologie gemäss dem Begründer des Integralen Yoga, Sri Aurobindo (1872 – 1950). Diese setzt ein gewisses Verständnis der verschiedenen Seins- und Bewusstseinsebenen aus der Sicht des Integralen Yoga voraus (siehe Blogbeitrag Teile und Ebenen des Seins).
Definition des Begriffs Gewohnheit
Zunächst die Definition des Begriffs ‘Gewohnheit’ gemäss Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gewohnheit
„Als Gewohnheit (auch Usus, von lateinisch uti „gebrauchen“) wird eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise bezeichnet, die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und bei gleichartigen Situationsbedingungen wie automatisch nach demselben Reaktionsschema ausgeführt wird, wenn sie nicht bewusst vermieden oder unterdrückt wird. Es gibt Gewohnheiten des Fühlens, Denkens und Verhaltens.
In der deutschen Sprache wird das Wort, das sowohl dem lateinischen habitus als auch consuetudo entspricht, seit frühneuhochdeutscher Zeit verwendet, so bei Johannes Tauler und Paracelsus. …
Gewohnheitsbildung hat eine Entlastungsfunktion; sie enthebt das Individuum der Notwendigkeit, immer wieder neue vernünftige Überlegungen anstellen zu müssen. Sie kompensiert also Defizite der Vernunft. “
Gewohnheiten und Charakter
Unsere Gewohnheiten beschleunigen oder verzögern unseren spirituellen Erfolg.
Es gibt sowohl gute wie auch schlechte Gewohnheiten:
- gute Gewohnheiten kann man auch als Tugenden bezeichnen,
- schlechte Gewohnheiten sind Untugenden.

Paramahansa Yogananda
Gewohnheiten wirken auf verschiedenen Ebenen als:
- Denkgewohnheiten
- Gefühlsgewohnheiten
- Gewohnheiten auf der körperlichen Ebene
- sowie verhaltensbezogene Gewohnheiten
Die Summe aller Gewohnheiten macht unseren Charakter aus und ist auch verantwortlich für unser zukünftiges Schicksal (Karma).
„Der Mensch sät einen Gedanken und erntet eine Handlung.
Er sät eine Handlung und erntet eine Gewohnheit.
Er sät eine Gewohnheit und erntet einen Charakter.
Er sät einen Charakter und erntet ein Schicksal.
Daher ist das Schicksal Dein eigenes Werk.
Du hast es geschaffen. Du kannst es aufheben,
indem Du edle Gedanken pflegst, tugendhaft handelst
und deine Denkweise änderst.“

Swami Sivananda
„Die Gewohnheit ist die zweite Natur.“
So lautet ein weiteres Sprichwort, welches aufzeigt, wie stark Gewohnheiten unseren Charakter prägen.
Charakterbildung hat somit immer auch mit der Bewusstmachung der verschiedenen Gewohnheiten zu tun. Vor allem sollten wir ein Auge auf unsere schlechten Gewohnheiten werfen und mit der Zeit versuchen, diese in gute Gewohnheiten umzuwandeln. Das Ziel ist unter anderem, ein tugendhaftes Leben zu führen.
Individualität und Universalität
Bevor wir tiefer in die Thematik der Gewohnheiten eintauchen und diese aus der Sicht yogischer Psychologie betrachten, müssen wir weitere yogarelevante Themen mit einbeziehen wie
- Individualität und Universalität
- Leben, Tod und Reinkarnation
Ausführliche Informationen zu diesen Themen können im Blogbeitrag Leben – Tod – Reinkarnation nachgelesen werden.
Gewohnheiten und ihre Wurzeln
Wie im oben erwähnten Blogbeitrag ‚Leben – Tod – Reinkarnation‘ beschrieben, ist unser jetziges Leben eine Verdichtung von universalen Kräften, welche unsere Persönlichkeit bildet. Durch ein bewusstes und achtsames Leben können wir mit der Zeit erkennen, welchen Kräften und Mächten der Gewohnheit wir ausgesetzt sind. Paramapadma Dhirananda hatte immer wieder betont, dass Selbsterkenntnis die schwierigste Erkenntnis ist. Die Fehler der anderen Menschen sieht man sehr schnell, doch die eigenen Unzulänglichkeiten erkennt man nicht, bzw. man projiziert sie auf andere Menschen.
Die in unserem Unterbewusstsein gespeicherten Eindrücke, welche in unserer Vergangenheit gebildet wurden, werden saṁskāras genannt. Diese saṁskāras sind die Ursachen der Gewohnheiten.
Durch Yoga-Sādhana versuchen wir mehr und mehr alle Bewusstseins- und Seinsebenen bewusst zu machen und nach und nach mehr Licht in das Unterbewusste zu bringen, um dieses zu klären und zu harmonisieren.
„Das Unterbewusste ist die Stütze der gewohnheitsmäßigen Tätigkeit
– es kann sowohl gute wie schlechte Gewohnheiten stützen. “
„Das Unterbewusste ist ein Ort der Gewohnheiten und Erinnerungen, es wiederholt hartnäckig oder wann immer es kann alte, unterdrückte Reaktionen und Reflexe, mentale, vitale oder physische. Es muss durch den beharrlicheren Druck der höheren Wesensteile geschult werden, seine alten Reaktionen abzulegen und sie durch die neuen und wahren zu ersetzen. “

Sri Aurobindo
Weiter schreibt Sri Aurobindo in Briefe über den Yoga, Band 1:
„In unserem Yoga meinen wir mit dem Unterbewussten jenen ganz versunkenen Teil unseres Wesens, in dem es keinen wachbewussten, zusammenhängenden Gedanken und Willen, keine Empfindung oder geordnete Reaktion gibt und der dennoch dunkel die Eindrücke aller Dinge empfängt und sie in sich speichert; aus ihm können auch alle Arten von Reizen, von beharrlichen, gewohnheitsmäßigen Regungen unverarbeitet wiederholt oder in fremdartige Formen verkleidet in den Traum oder die Wachnatur auftauchen. Denn wenn diese Eindrücke in den Traum aufsteigen können, meist in unzusammenhängender und ungeordneter Weise, können sie ebenfalls in unser Wachbewusstsein aufsteigen – was sie auch tun –, und zwar als mechanische Wiederholung vergangener Gedanken, vergangener mentaler, vitaler und physischer Gewohnheiten oder als verborgener Anreiz für Erregungen, Tätigkeiten und Gefühle, die ihren Ursprung nicht in unserem bewussten Denken oder Willen haben oder aus ihnen hervorgehen, sondern vielmehr ihren Vorstellungen, Neigungen oder Anordnungen häufig entgegengesetzt sind. Das Unterbewusste hat ein dunkles Mental, voller widersetzlicher saṁskāras, Eindrücke, Assoziationen, fester Vorstellungen, gewohnheitsmäßiger Reaktionen, die von unserer Vergangenheit gebildet wurden, ein dunkles Vital mit den Keimen gewohnheitsmäßiger Begierden, Erregungen und nervöser Reaktionen, ein äußerst dunkles Stoffliches, das viel von dem beherrscht, was mit dem Zustand des Körpers zu tun hat. Es ist größtenteils verantwortlich für unsere Krankheiten; chronische oder wiederholte Leiden werden tatsächlich meist vom Unterbewussten verursacht, von seiner beharrlichen Erinnerung und seiner Neigung, alles, was sich dem Körperbewusstsein eingeprägt hat, zu wiederholen. …“
„Das Unterbewusste ist ein verborgenes, unausgedrücktes und undeutliches Bewusstsein, das unterhalb all unserer bewussten physischen Tätigkeiten wirkt. So wie das, was wir das Überbewusste nennen, tatsächlich ein höheres Bewusstsein über uns ist, von dem die Dinge in das Wesen herabkommen, genauso befindet sich das Unterbewusste unterhalb des Körperbewusstseins, und die Dinge kommen von dort herauf in das Physische, in das Vital und in die Mental-Natur.
So wie das höhere Bewusstsein für uns überbewusst ist und all unsere spirituellen Möglichkeiten und die spirituelle Natur stützt, so ist das Unterbewusste die Grundlage unseres stofflichen Wesens und stützt all das, was in die physische Natur heraufkommt.
Die Menschen sind sich im Allgemeinen keiner der Ebenen ihres Wesens bewusst, doch mit Hilfe der Sādhana vermögen sie diese wahrzunehmen.
Das Unterbewusste bewahrt die Eindrücke all unserer vergangenen Lebenserfahrungen, und diese können von dort in Form von Träumen aufsteigen: die meisten Träume des durchschnittlichen Schlafes sind Formen, die von unterbewussten Eindrücken stammen.
Die Neigung, dass die gleichen Dinge in unser physisches Bewusstsein hartnäckig zurückkehren, jene Neigung, die es uns so schwer macht, uns von seinen Gewohnheiten zu befreien, hat ihre Ursache großteils in einem unterbewussten Rückhalt. Das Unterbewusste ist voller vernunftwidriger Gewohnheiten. …“
Damit die Wurzeln der Gewohnheiten (saṁskāras) beseitigt bzw. umgewandelt (transformiert) werden können, muss mit der Zeit das Unterbewusstsein geläutert und harmonisiert werden (siehe Bild unten).
Mehr zu diesem Thema siehe Blogbeitrag Methoden und Ziel des Integralen Yoga.
Leben heisst sich verändern
Alles ist in Bewegung
Die ganze Schöpfung verändert sich dauernd. In der Yoga-Philosophie wird die Natur (Sanskrit: prakṛti) als ewig wandelbar beschrieben, welche sich in der Welt der Erscheinungen offenbart.
„Prakṛti [die Natur] ist die ewige Quelle der Energie, welche unbegrenzt und nicht veränderbar ist. Sie ist wie ein großer Behälter, der die ganze Welt in sich aufnimmt und deren Form sich dauernd ändert.“

Yogi Paramapadma Dhirananda
Es gibt Veränderungen, welche sehr langsam ablaufen und wir Menschen aufgrund der begrenzten Lebensdauer nicht direkt erkennen können, wie z.B. das Verschieben der Kontinentalplatten, usw.
Hingegen nehmen wir die zyklischen Veränderungen von Tag und Nacht sowie den Jahreszeiten war. Zudem leben wir in verschiedenen Lebensphasen, welche ca. alle 6-7 Jahre in eine neue Qualität wechseln (in der Astrologie spricht man von den 12 Häusern). Diese Veränderungen der Lebensabschnitte, verbunden mit dem natürlichen Alterungsprozess nehmen die Menschen mehr oder weniger bewusst war.
Auslösepunkt für Veränderungen im Leben
Gewohnheiten machen uns träge. Nur selten sind wir bereit, bequeme Gewohnheiten ‚freiwillig‘ aufzugeben.
Oft entwickeln sich die Dinge auf eine ganz andere Weise, als man vorher gedacht hatte. Bei den meisten Menschen folgt das Leben gewissen Denkmustern, welche in eigenen Denk- und Gefühlsgewohnheiten wurzeln.
Dazu folgende Sprichworte:
„Erstens kommt es anders zweitens als man denkt.“
„Der Mensch denkt und Gott lenkt.“
Veränderungen im Leben werden meistens durch Probleme und Krisen, welche auf uns innerlich oder äusserlich wirken, initiiert. Wie das Wort ‚Notwendigkeit‘ meint, ist eine Wende, bzw. eine Veränderung erst nach einer Not möglich.
Mit einer positiven Einstellung gegenüber Problemen und Krisen gelingt es uns besser, auf notwendige Veränderungen im Leben einzugehen.
Bibel, Matthäus 16.25:
„Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.“
Einstellung zu Krisen und Problemen
Probleme sind für uns im ersten Moment immer etwas Negatives. Sie stören unsere innere Ruhe und wir möchten sie möglichst schnell gelöst haben. Wir wissen aber nicht, dass Probleme und Krisen immer Auslöser für Lernprozesse sind. Ohne Probleme würden wir uns weiterhin gleich wie bisher verhalten und wir würden uns dadurch nicht weiterentwickeln.
Das Wort ‚Problem‚ hat die Vorsilbe ‚pro‘ = ‚für‘ und nicht ‚anti‘ oder ‚kontra‘ = gegen. *)
Ein Problem ist also für etwas und nicht gegen etwas. Es kurbelt unsere Entwicklung an und ist der Motor für unseren Lernprozess. Wir leben nicht nur zum Vergnügen auf dieser Erde, sondern wir sind da, um uns weiterzuentwickeln.
*) Bemerkung: dies ist meine eigene Interpretation und diese ist eventuell sprachwissenschaftlich nicht belegt.
Wenn wir unsere Einstellung zu Problemen und Krisen ändern, dann ist die Brisanz der Probleme bereits entschärft. Wenn wir wissen und akzeptieren, dass Probleme Schubkräfte auf unserem spirituellen Weg sind, dann wird das Leben leichter.
Wir sollten Probleme als unsere Lehrer oder unsere Trainer akzeptieren, die uns etwas beibringen und unseren Lernprozess antreiben. So wie ein Edelstein oder ein Kristall, welcher nur unter extremem Druck und starker Hitze zu einem Edelstein oder zu einem Kristall heranwächst. Ein normaler Stein bleibt ein normaler Stein. Möchten nicht auch wir menschliche Edelsteine werden?
Wenn es uns zu gut geht, dann bleiben wir stehen und entwickeln uns nicht weiter. Deshalb schickt uns unser Schöpfer Probleme und Krisen. Dies hat sich auch in der deutschen Sprache niedergeschlagen, z.B. im Wort Notwendigkeit.
Dies meint eigentlich, dass es zuerst eine Not braucht, damit eine Wende eintreten kann. Die Not löst also eine Konsequenz aus, welche eine Veränderung zur Folge hat.
Je mehr wir ein äusseres Leben führen, ohne verinnerlicht zu sein, desto mehr leiden wir. Die wahre Zufriedenheit kommt von innen. Wenn wir stärker verinnerlicht sind, kann uns ein äusseres Problem viel weniger anhaben.
Ein Problem löst sich aber oft erst dann auf, wenn wir es von innen herangehen. Das heisst auch, dass wir es zuerst akzeptieren, annehmen müssen. Jedes Problem, jede Krise trägt eine Botschaft in sich und ist eine Informationsquelle für unsere Weiterentwicklung. Oft erst viel später erkennen wir die wahre Bedeutung eines Problems.
Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang auf den Yoga Themen-Nachmittag Umgang mit Krisen und Problemen hinweisen.
Jede Person geht mit Problemen und Krisen anders um, je nachdem, wie viel man bereits an sich selber gearbeitet hat und sich selbstverwirklicht hat. Je verinnerlichter man ist, das heisst je mehr man sich von der Seele (seelisches Wesen) leiten lässt, desto ruhiger kann man beim Auftreten eines Problems oder einer Krise bleiben.
Die neben stehende Abbildung zeigt schematisch, wie Probleme bei einem selbstverwirklichten und einem ’normalen‘ Menschen wirken. Beim ’normalen‘ Menschen besteht zum inneren Wesenskern, der Seele (seelisches Wesen) noch eine Barriere, die der selbstverwirklichte Mensch überwunden hat.
Bewahrung des Anfängergeistes (beginners’s mind)
Wenn man sich stets den sogenannten Anfängergeist (beginner’s mind) bewahren kann, hat man grosse Vorteile, spielerischer mit Krisen und Problemen umgehen zu können.
Der griechische Philosoph Sokrates sagte: „Ich weiss, dass ich nicht(s) weiss“ oder im übertragenen Sinn:
„Je mehr ich weiss, weiss ich, dass ich nichts weiss.“
Eine solche Einstellung verhindert, dass man hochmütig sowie arrogant wird und man ist sich bewusst, dass es immer wieder etwas Neues zu lernen gibt. Das Lernen kennt kein Ende.
Die Menschheit hat zwar technisch sehr viel erreicht, doch in der seelisch-spirituellen Entwicklung hat sich in den letzten 100 Jahren kaum etwas verändert.
„Selbst wenn wir uns bis in die siebente Galaxis begeben, so tun wir das computergesteuert und in einen Raumanzug gewickelt; und nichts ändert sich, wir stehen genauso da wie zuvor: als hilflose Kinder im Angesicht des Todes, als Lebewesen, die sich nicht recht sicher sind, warum und weshalb sie eigentlich leben und wohin es wirklich geht. …..
Vielleicht machen wir die überraschende Entdeckung, dass unser prächtiges 20. Jahrhundert kaum mehr ist als ein Steinzeitalter der Psychologie, dass wir, trotz all unserer Wissenschaft, noch nicht auf die wahre Wissenschaft des Lebens gestoßen sind, auf die wirkliche Beherrschung der Welt und unser selbst, und dass sich vor unseren Augen Horizonte der Vollkommenheit, Harmonie und Schönheit öffnen, im Vergleich zu denen sich unsere stolzesten Entdeckungen und Erfindungen wie krude Dilettantismen eines Lehrjungen ausnehmen.“
Bemerkung:
Dieser Text ist nur in der alten Ausgabe dieses Buches ISBN 978-3-87348-166-4 als Vorwort enthalten.

Lernen heisst verlernen
Unsere mentalen Denkgewohnheiten verhindern oft, dass man für etwas Neues offen ist. So kann man sagen, vor dem Lernen müssen wir zuerst etwas verlernen, damit wir wieder den oben beschriebenen Anfängergeist erarbeiten können.
Satprem schreibt im Buch ‚Sri Aurobindo oder das Abenteuer des Bewusstseins‘ auf Seite 47
(ISBN 978-3-87348-166-4, deutsche Übersetzung Cay Hehner)
„Im Grunde ist also der Yoga nicht so sehr eine Form des Lernens, sondern eine Form des Verlernens von einer Summe angeblich unvermeidbarer Gewohnheiten, die wir aus unserer animalischen Evolution mit in das Menschsein übernommen haben.“
Dazu die folgende Geschichte eines Flötenmeisters, welche jeweils in diesem Zusammenhang von verschiedenen spirituellen Lehrern und Meister erzählt wird:
«Zwei Schüler treffen sich eines Tages im Vorzimmer eines Flötenmeisters. Der eine von beiden wird hereingerufen und der Meister fragt ihn: „Welche Erfahrungen hast du schon gemacht?“ Der Schüler hatte sich natürlich vorher schon überlegt und gedacht, dass die Frage kommen würde, da er schon bei mehreren Meistern Flötenunterricht genommen und so schon viele Techniken kennengelernt hatte. Und so antwortet er dem Meister: „Ich glaube, dass ich eigentlich nur den einen oder anderen Schliff noch bräuchte, ich müsste meine Grifftechnik noch verfeinern für diese ganz bestimmte Spielweise, denn diese ist mir nicht so ganz klar und ich hoffe, dass ich von dir da ein bisschen mehr Einsicht bekommen kann.“ Der Meister hört sich dies geduldig an und der Schüler fragt: „Wie lange schätzt du, wird die Schulung ungefähr dauern?“ Der Meister sagt: „Na ja, 10 – 15 Jahre“. Der Schüler ist entsetzt und sagt: „Was heisst 15 Jahre, es sind Feinheiten, Meister, ich muss nicht alles erneut von Grund auf lernen. Was meinst du, was wird mich dies kosten?“ Der Meister sieht ihn an, überlegt und sagt: „Nun, 100 pro Stunde.“ Der Schüler ist entsetzt und sagt: „Das kann ich nicht machen, dies gibt es doch nicht?“ Er geht ziemlich aufgeregt aus dem Raum.
Der zweite Schüler wird nun hereingerufen. Der Meister fragt auch ihn: „Was weisst du schon über das Flötenspiel, was hast du schon gemacht?“ Der Schüler sagt zu ihm: „Eigentlich noch nichts. Ich habe einmal einen Meister auf diesem Instrument spielen hören, und dies hat mich total berührt. Ich habe das Gefühl, dass mich das Flötenspiel ein Leben lang interessieren könnte. Deshalb bin ich zu dir gekommen, weil ich gehört habe, dass du dieses Instrument beherrscht und ich möchte von dir lernen, was ich lernen kann.“ Der Meister sagt zu ihm: „Nun, 2 bis 3 Jahre Zeit musst du dafür aufbringen“. Und wie dies so üblich ist, fragt der Schüler: „Was verlangst du von mir?“ Und der Meister antwortet: „Zehn pro Stunde“.
Erfreut geht der zukünftige Schüler zurück in das Wartezimmer. Der andere Schüler fragt ihn sofort: „Was hat der Meister zu dir gesagt, wie lange musst du lernen?“ Und dieser antwortet: „2 – 3 Jahre.“ Schluck … , dies war der erste Schock. Dann fragt er weiter: „Und was musst du ihm bezahlen?“ Zehn, antwortet der andere. In diesem Moment springt, derjenige, welcher zuerst angehört wurde auf, stürzt zum Meister hinein und sagt: „Wie stellst du dir das vor? Der hat keine Ahnung, er ist ein totaler Anfänger. Zweieinhalb Jahre möchtest du nur brauchen und du verlangst auch nur ein Zehntel.“
Dann sagt der Meister ruhig zu ihm: „Meine Hauptarbeit bei dir wird darin bestehen, deine Vorstellung über deine Fähigkeit auf null zu bringen, damit du wieder etwas lernen kannst. Dies wird viel mehr Arbeit brauchen, als beim anderen.»
Lernen anzunehmen
Eine starre Haltung blockiert eine anstehende Veränderung. Annehmen bedeutet Loslassen. Wer nicht loslassen kann, wird unweigerlich leiden müssen.
Yogi Paramapadma Dhirananda sagte immer wieder zu seinen Schülern:
„Das Wichtigste auf dem spirituellen Weg ist lernen zu akzeptieren.“

Yogi Paramapadma Dhirananda
Wir müssen ein Problem oder eine schwierige Situation zuerst annehmen und nach dem Sinn suchen, sonst haben wir keine Möglichkeit zur Lösung des Problems. Wir müssen die Botschaft des Problems ergründen. Auch wenn wir noch keinen sichtbaren Grund erkennen können, sollten wir positiv eingestellt sein. Eines Tages werden wir wissen, worum es geht.
Akzeptieren und nachgeben heisst aber nicht, sich aufzugeben oder willenlos zu sein. Im Gegenteil, erst nach dem Annehmen einer Situation hat man die volle Kraft, richtig auf etwas zu reagieren.
Dazu folgendes Beispiel:
Wenn man beim Baden in einem Fluss in einen Strudel gerät, hat man nur dann eine Überlebenschance, wenn man sich nach unten ziehen lässt, um sich dann am Grund des Flusses abzustossen. Wenn man strampelt und sich gegen das Herunterziehen wehrt, wird man irgendeinmal kraftlos und ertrinkt. Nur so hat man die Kraft dem Strudel zu entrinnen.
Alles was starr ist, bricht unter einer schweren Last. Flexibilität und Nachgeben sind notwendig, damit Veränderungen schmerzloser ablaufen.
Hier zwei Lebensweisheiten zum Thema Nachgeben und Flexibilität:
„Der Bambus bricht nicht unter der Last des schweren Schnees, weil er nachgibt.“
„Die Möwe überlebt den Sturm, weil sie ihm nachgibt.“
Wir sollten lernen, das Unannehmbare, das Garstige anzunehmen. Darin liegt die Lösung.
Es gibt eine andere Erzählweise des Märchens ,Der Froschkönig‘ der Gebrüder Grimm:
„Nachdem die Prinzessin den Frosch zum tausendsten Mal an die Wand geworfen hatte, nahm sie ihn zu ihrer Brust und akzeptierte ihn in ihrem Herzen. Sogleich verwandelte sich der Frosch in einen Königssohn.“
Man muss das Garstige, das der Frosch im Märchen darstellt, annehmen. Dann verwandelt es sich. Wir können den Frosch tausendmal an die Wand werfen (dies bedeutet das Problem nicht anzunehmen), der Frosch wird noch robuster und wird nie aufgeben. Erst wenn wir das Problem akzeptieren und nach dem Sinn suchen, verwandelt es sich und löst sich auf.
Wie erwähnt bringt uns eine starre Haltung nicht weiter. Wenn wir ein Problem erkennen und akzeptieren, können wir daraus lernen und etwas verändern. Akzeptieren bzw. Annehmen hat immer etwas mit Verändern zu tun.
Beispiel: Ein sturer Mensch, der ständig durch eine Wand zu gehen versucht, erkennt eines Tages, dass die Wand zu hart ist und dass er dadurch andauernd Kopfschmerzen hat. Seine Veränderung oder Konsequenz ist, dass er aufhört, gegen die Wand anzurennen und entscheidet, durch eine vorhandene Türe zu gehen, die sich vielleicht einige Meter daneben befindet. Diese Konsequenz wurde aber nur durch sein Akzeptieren der Situation ermöglicht.
Not macht erfinderisch
Im Deutschen gibt es das wunderbare Wort Notwendigkeit.
Wenn ich über die Bedeutung dieses Wortes nachdenke, kommen mir zwei Bedeutungen in den Sinn:
- Zum einen kann man sagen, eine echte Wende ist erst dann möglich, wenn eine Not da ist, der man nicht entgehen kann.
- Zum anderen zeigt dieses Wort, dass man durch Not wendig wird. Dies meint, dass wir in der Not erfinderisch werden und dazu gedrängt werden, Problemlösungen zu finden. Erst durch die Not werden wir gezwungen, etwas zu ändern.
Somit ist jede Not eigentlich ein Segen. Ohne diese Not gäbe es keine Veränderung.
Yogi Paramapadma Dhirananda verwendete dafür die Bezeichnung: boon in disguise (ein versteckter Segen).
Offen sein für Neues
Durch eine achtsame, bewusste Lebensweise erhalten wir, noch bevor eine Not eintritt, innerlich Informationen, dass wir etwas verändern sollten.
Eine Haltung, in der wir stets offen für Neues sind, kann uns dabei helfen. Eine verschlossene Einstellung macht einen bevorstehenden Veränderungsprozess viel schwieriger.
Je mehr Vertrauen wir in die Lebensprozesse haben, desto einfacher ist es, sich entwicklungsmässig zu verändern.
Ein weises Sprichwort sagt: „Alles was Du brauchst, ist in Dir.“
„Plötzlich wird das, was kommen will da sein, und dann werden wir das, was wir zu wissen brauchen, erfahren.“

Hermann Hesse
Die Willenskraft
Um etwas im Leben verändern zu können, müssen wir unsere Willenskraft einsetzen. Gemäss Sri Aurobindo kann der Wille mit dem dynamischen Mental gleichgesetzt werden.
Die Yoga-Philosophie lehrt, dass das Leben 60% durch das Schicksal (Karma) bestimmt wird und dass der Mensch das Leben zu 40% mit dem freien Willen gestalten kann.
Gleichzeitig gibt es aber auch das sog. Widersacherprinzip, welches besagt, dass wir auch immer wieder mit Rückschlägen rechnen müssen. Oft geht es zwei Schritte vorwärts und dann einen zurück. Dies müssen wir akzeptieren, denn es gehört zum Willensbildungsprozess. Das Erreichte muss immer wieder gefestigt werden, sonst ist es nicht stabil genug, um bestehen zu können.
Immer wenn wir etwas erreicht haben und erfolgreich waren, sollten wir auf eine Prüfung gefasst sein. Meistens wird sich dann etwas ereignen, was das Erreichte in Frage stellt. Wenn wir jeden Moment bereit sind, ein neues Problem zu lösen, kann das Erreichte nicht zerstört werden. Dies ist unser Lernprozess. Aus diesem Grund ist der Gebrauch der Willenskraft sehr wichtig.
„Mechanische Willenskraft ist ein unbewusster Gebrauch der Willenskraft.
Bewusster Wille, dagegen ist eine lebendige Kraft, die mit Entschlossenheit und Zielstrebigkeit einher geht – ein Dynamo, der weise eingesetzt werden muss.
Der Dynamo aller unserer Kräfte ist unser Wille. Dieser ist die Triebfeder aller Handlungen.“

Paramahansa Yogananda
Hier ein weiterer Ausschnitt aus ‚Das Gesetz des Erfolges‘ von Paramahansa Yogananda mit dem Titel: Ihr könnt euer Schicksal meistern
„Der Geist ist der Schöpfer aller Dinge. Darum solltet ihr ihn so lenken, dass er nur Gutes bewirkt. Wenn ihr mit dynamischer Willenskraft an einem Gedanken festhaltet, wird er schließlich greifbare Formen annehmen. Und wenn ihr fähig seid, euren Willen stets für aufbauende Zwecke einzusetzen, werdet ihr euer Schicksal meistern.
Ich habe soeben auf drei wichtige Punkte hingewiesen, die euch zu dynamischer Willenskraft verhelfen können:
- Sucht euch eine einfache Aufgabe, die ihr euch bisher nie zugetraut habt, und seid fest entschlossen, dass sie euch diesmal gelingen muss.
- Vergewissert euch, dass ihr euch etwas Konstruktives und Durchführbares ausgesucht habt, und verbannt dann jeden Gedanken an einen möglichen Fehlschlag.
- Konzentriert euch auf ein bestimmtes Ziel, setzt all eure Fähigkeiten ein und ergreift jede sich bietende Gelegenheit, um es zu erreichen.
Tief im Innern müsst ihr aber überzeugt sein, dass das was ihr anstrebt, das Richtige für euch ist und Gottes Plan entspricht. Dann könnt ihr all eure Willenskraft aufbringen, um euer Ziel zu erreichen. Haltet eure Gedanken unterdessen immer auf Gott gerichtet – die Quelle aller Kraft und allen Erfolgs.“
Psychologische Muster, die Entwicklungsspirale
Wenn wir an unseren Gewohnheiten arbeiten, kommen wir unweigerlich mit unseren psychologischen Mustern in Kontakt, welche sich in der frühen Kindheit durch unsere Prägungen durch das Schicksal gebildet haben. Um diese Muster erkennen und dann verändern zu können, ist unbedingt Selbstreflexion notwendig.
Viele Menschen wählen den einfachen Weg und projizieren ihre psychologischen Muster auf andere Personen. Auf diese Weise ist es sehr leicht, ein Problem zu verdrängen und die Schuld jemand anderem zuzuschieben (Sündenbock). Doch dieses Sündenbock-Verhalten funktioniert nur eine gewisse Zeit. Früher oder später muss jeder Mensch an seinen psychologischen Mustern arbeiten. Diese sind wie ein Boomerang, welcher immer wieder zum Ursprungsort zurückkehrt.
Wir alle haben in uns kleinere oder grössere Verdrängungen oder noch nicht aufgearbeitete psychologische Muster, die in bestimmten Lebenssituationen aufbrechen können.
In einer solchen Situation ist es oft sehr schwierig zu unterscheiden, was das innere aufgebrochene Muster ist und was die Realität. Hier beginnt die psychologische Aufarbeitung der Muster. Da diese Muster wiederum durch unsere karmische Konstellation entstanden sind, ist der erste Schritt das Akzeptieren und Annehmen des Musters.
Wenn aber dauernd die Schuld, z.B. für das Fehlschlagen einer Partnerschaft, abgeschoben wird, bleibt das psychologische Muster bestehen. Oft kommt es dann vor, dass man sich in eine andere Person verliebt, welche wiederum dem gleichen psychologischen Muster entspricht, nur die äussere ‘Verpackung’ hat sich geändert.
Um ein entsprechendes psychologisches Muster erkennen zu können, ist ein rigoroser Bewusstwerdungsprozess notwendig. Man unterscheidet das Primärmuster, welches z.B. in der frühen Kindheit eine Verdrängung oder eine Neurose ausgelöst hat und das Sekundärmuster, das wir als Erwachsene, Jahre nach dem Erlebten neu erfahren und die Tendenz haben, es nach aussen zu projizieren. Möchten wir ein psychologisches Muster auflösen, so müssen wir am Primärmuster arbeiten, das heisst die ursprüngliche Verdrängung oder traumatische Emotion innerlich wieder erleben und Licht und Bewusstsein hineingeben (Prinzip der Rückführungsprozesse).
Durch den spirituellen Weg und dessen Praxis wird auch ein Reinigungsprozess ausgelöst, das heisst es kommen gewisse Emotionen wie Depressionen oder Aggressionen hoch, damit sie mit der Zeit aufgelöst werden können.
Je nach Heftigkeit der Muster braucht es vielleicht auch eine äussere Hilfe eines Therapeuten, welcher helfen kann, die Muster bewusst zu machen. Wichtig ist, dass man ganz ehrlich zu sich selbst ist und die Erkenntnisse aufschreibt. Das Führen eines sogenannten Gefühls- oder Emotions-Tagebuches kann auch helfen, die Muster begreifen zu lernen. Je mehr wir von diesen Mustern lernen und verstehen, desto mehr lernen wir über uns selbst.
Der Weg nach innen durch die Yoga-Praxis und vor allem die Meditation beginnt von innen her die Muster abzubauen und bewusst zu machen. So kann es manchmal passieren, dass man nach einer Meditation depressiv, traurig oder aggressiv wird. Auch dies ist ein Reinigungsprozess, der unsere geistigen Verletzungen und Traumata von innen auflösen kann.
Psychologische Muster kennen eine eigene Gesetzmässigkeit und verhalten sich spiralförmig. Oft kann man ein inneres Problemmuster nicht sofort auflösen, sondern dieses transformiert sich auf eine andere Ebene, der Wirkungskreis wird feiner, bis es sich schlussendlich ganz auflöst.
Die unten stehende Grafik zeigt zwei Formen der sog. Entwicklungsspirale (zum Vergrössern auf die Grafik klicken).
Die rechte Spirale mit einem geringen Entwicklungshub entspricht einer Person, welche die psychologischen Muster nicht erkennt und sich nur im Aussen verändert. Bei jeder Spiralwindung taucht das gleiche psychologische Muster mit der gleichen Intensität auf. Dies ist das typische Muster von Personen, welche die eigenen Probleme nach Aussen projizieren und jeweils anderen die Schuld geben.
Die linke Spirale, welche einen grossen Entwicklungshub aufweist, charakterisiert die Entwicklung einer Person, welche an den psychologischen Mustern arbeitet. Die Muster kommen zwar wieder, aber in einer abgeschwächten Form, bis sie sich mit der Zeit ganz auflösen.
Transformationsprozesse
Der Sinn des Lebens ist eigentlich ein Lernprozess und der Anreiz zur Weiterentwicklung. Wir sind nicht nur zum Vergnügen da, sondern das Leben hat den Sinn, uns weiterzuentwickeln.
Weiterentwicklung meint, durch Yoga-Sādhana zu erkennen, dass nicht unser kleines Ego und dessen Wünsche der Sinn des Lebens ist, sondern dass eine grössere Kraft durch uns hindurchtönen möchte.
Das Wort ‘Person’ kommt vom Lateinischen personare – hindurchtönen.
Was möchte durch uns hindurchtönen?
Es ist unser Wesenskern, welchen Sri Aurobindo das seelische Wesen nennt, siehe mein Blogbeitrag Das zentrale Wesen.
Sri Aurobindo unterscheidet auf dem spirituellen Weg drei verschiedene Transformations-Prozesse:
- Die seelische Transformation, bei der die Kräfte des Körpers, des Vitalen und Mentalen unter den seelischen Einfluss gebracht werden und nach und nach immer mehr dem seelischen Wesen überantwortet werden.
- Die spirituelle Transformation. Für die volle spirituelle Transformation ist ein ständiger Aufstieg vom niederen in das höhere Bewusstsein notwendig und eine wirksame, ständige Herabkunft des Höheren in die niedere Natur.
- Die supramentale Transformation, dies bedeutet die Herabkunft des Göttlichen in Mental, Vital und Physis, um diese umzuwandeln (zu vergöttlichen).
Mehr Informationen zu den drei Transformationsprozessen siehe mein Blogbeitrag Methoden und Ziel des Integralen Yoga.
Dies ist ein Auszug aus dem Yoga-Thementag Umgang mit Gewohnheiten.
Ich danke Wilfried Huchzermeyer für die Durchsicht des Textes.

